Während es sonst immer private Bluesfeten gab, boten diese öffentlichen Veranstaltungen den Rahmen für Treffen unseres Freundeskreises.


Fotos zur Veranstaltung
02.04.05 Blues Rudi & Igor Flach
15.10.05 Christiane Ufholz 


15.10.05 Christiane Ufholz 



1985 gab es eine Faschingsbluesfete in Sperenberg. Diese wurde hauptsächlich von unserem Sperenberger Freundeskreis organisiert. Dort kannte Uli Pr. den Kneiper und es gab keine Probleme. Ich steuerte die Einladung bei. Wer dort die Musik machte, weiß ich nicht mehr – jedenfalls könnte ich mir vorstellen dass die Musiker aus unserem Freundeskreis kamen.
1986 hatte ich dann nochmals und diesmal letztmalig einen vergeblichen Versuch mit „Travelling Blues“ unternommen. Erst 1988 fand die nächste geglückte Fete mit „Piano Schulze“ im Dahlewitzer Jugendclub statt. Wie es mir gelungen ist hierfür die Genehmigung zu erhalten, kann ich nicht mehr sagen. Die Turnhalle in der die Fete stattfand, stand unter Regie der Dahlewitzer Schule und damit hatte der Direktor, Herr Scholz das Sagen. Dieser war sehr kooperativ und hatte ein Herz für die Jugend (obwohl unsere Jugend inzwischen auch vorbei war), wie mir auch damals in den Zeiten des Dahlewitzer Jugendclubs bewusst wurde. Jedenfalls war er nicht so ein „Betonkopp“ wie sie einem nur zu oft in den Verwaltungen und staatlichen Stellen begegneten. Der Jugendclub muss die Veranstaltung wohl als öffentliche Tanzveranstaltung angemeldet haben. Jedenfalls kamen wir dann mit unserer Bluesfete wieder einmal zum Zug.
Neben dem Auftritt von Diestelmann gab es auch wieder im Anschluss eine Session mit befreundeten Musikern. Wer das im Einzelnen war kann ich nicht mehr sagen wenn die Fotos nicht den Beweis liefern. Wieder hatte ich den Teilnahmebetrag im Voraus kassiert und es kam genügend Geld zusammen, dass die Band bezahlt werden konnte, (Stefan spielte zum Vorzugspreis von ca. 400,-M) wohl noch für jeden eine Bratwurst mit Kartoffelsalat oder so was angeboten wurde und dann noch Freibier floss.
Jedenfalls war schon im Frühjahr 1979 die nächste Fete mit der gerade erst gegründeten Band „Freygang“ geplant. Die Details sind mir nicht mehr im Gedächtnis. Ich weiß nur, dass ich André Greiner-Pohl mit seiner Geige irgendwann mal gehört hatte und beeindruckt war. Lediglich der Vertrag mit der Gruppe für den 11.März dieses Jahres befindet sich noch in meinem Besitz. Woran diese Veranstaltung scheiterte weiß ich nicht mehr. Das Verbot dieser Band war erst 1984 also daran kann es nicht gelegen haben.

Schon im Herbst desselben Jahres erfolgte ein erneuter Versuch. Diesmal wollte ich „Engerling“ engagieren, die damals zu meinen Favoritenbands gehörte. Zu jener Zeit spielte „Engerling“ vor allem viele Blues-Standards und erst so nach und nach kamen die Eigenkompositionen dazu. Ich erinnere mich an ein Konzert im Saal der Blankenfelder Gaststätte „Schwan“, der kurz darauf wegen angeblicher Baufälligkeit abgerissen wurde. (Wir hatten eher den Verdacht, dass man eine Lösung für die unliebsamen Jugendtanz -veranstaltungen wollte, die so einigen ein Dorn im Auge waren weil sie auch viele Berliner Jugendliche anzogen die als Jeans und Parkaträger nicht ins Bild passten und es passierte auch manchmal Randale) Jedenfalls war dieses Konzert ein Ereignis. Der Saal brodelte unter dem stampfenden Rhythmus des Blues. Wohin man sah nur Jeans und Parka.
Dort traf ich auch Frau K. zum ersten Mal nach der Schule (denn sie war meine Lehrerin) und wir kamen ins Gespräch. Sie war offenbar großer Musikfan, im Besitz einer Plattensammlung und kannte viele Leute u. a. auch Musiker von „Engerling“. Es kam daraufhin ein mehrjähriger Kontakt zustande weil auch ich Platten sammelte und durch meine Mutter, die als Invalidenrentnerin in den Westen fahren konnte, immer wieder mit Nachschub versorgt wurde. Ich fuhr des Öfteren zu Frau K. und brachte ihr Platten, nahm mein Tonbandgerät mit und überspielte von ihr das Gewünschte. Währenddessen tranken wir Tee und unterhielten uns auch über Politik. Kein Wort davon findet sich in meiner Stasi-Akte obwohl sich später herausstellen sollte, dass sie IM war – schon merkwürdig

Es kam also ein Vertrag mit „Engerling“ zustande und die Gaststätte in Güterfelde war auch bereit für eine weitere Fete. Allerdings war die Hürde der polizeilichen Anmeldung zu nehmen. Ich fuhr also mit meinem Mokick S50 nach Potsdam um dies zu erledigen und musste unverrichteter Dinge wieder umkehren weil ich keine Genehmigung bekam. Was dann folgte war ein verbissenes Bemühen, die Veranstaltung doch noch zu retten. Die Einzelheiten bekomme ich nicht mehr zusammen, doch versuchte ich es auf verschiedenen Wegen. So wollte ich als Student der Fachrichtung Polytechnik – Die Fete war als Studienjahrestreffen deklariert- die Befürwortung des Studienjahresleiters einholen. (zu dem Termin kam Sabine S. zur Unterstützung mit, soweit ich mich erinnere – wir redeten wohl wie ein Buch auf den Genossen Sladek ein, doch ohne Erfolg)
Auch die Idee einer kurzfristigen Zusammenarbeit mit örtlichen Jugendclubs brachte nichts.
Alle Bemühungen scheiterten und die Fete musste kurzfristig abgesagt werden

Ich rechnete mit einer Vertragsstrafe durch „Engerling“ und benachrichtigte alle Leute die ihr Geld im Voraus eingezahlt hatten von dem Desaster. Zum Glück war der Manager von der Gruppe (Gerd Leiser) sehr einsichtig und verzichtete auf das Geld. Somit konnte ich alles wieder zurückzahlen.
Am 11.November 1978 fand die dritte von der „Blues-AG“ (diese Bezeichnung gab es nur intern unter ein paar Freunden) organisierte Veranstaltung in der Ludwigsfelder Gaststätte „Petersilie“ statt. Dabei handelte es sich um das Spartenheim einer Kleingartenanlage. Die Kontakte zur Gaststätte knüpfte wohl „Schweine-Siggi“, der in Ludwigsfelde ansässig war. Da er leider verstorben ist, kann ich ihn nicht mehr befragen.
Jedenfalls kam die Fete nach altbewährtem Muster zustande. Die Einladung war diesmal ein Foto, welches ich in Eigenregie vervielfältigte. Von einem Computer waren wir damals noch etliche Jahre entfernt.

Zu dieser Zeit gab es neben den Blues- und Rockbands auch immer mehr Folkbands. Im Vorfeld hatte ich schon einige Konzerte dieser Bands besucht. Bekannt und beliebt waren u.a. „Folkländer“ (Leipzig) und „Skye“ (Berlin) und „Brummtopf“ (Erfurt). Wir jedenfalls rekrutierten „Bettelsack“ (Halle) und „Wacholder“ (Cottbus)
WACHOLDER! WACHOLDER ?
Da war doch noch was?
Stimmt.
Da gab es diese Folk-Band, gegründet 1978 in Cottbus von Studenten der Hochschule für Bauwesen, deren Mitglieder allesamt schon drei Jahre später einen Berufsmusiker-Abschluss des dortigen Konservatoriums und damit die rare, aber offizielle Erlaubnis in der Tasche hatten, als professionelle Folk-Musiker durch die (ost-) deutschen Lande zu ziehen und diese mit ihrer erfrischenden Art des Umgangs mit so genanntem traditionellen Liedgut unsicher zu machen. Was sie reichlich taten und damit, wenn schon nicht Weltruhm - was u. a. Bauarbeiter ihrer frühen Kindheit durch übertriebene Tätigkeit an einem lang gestreckten Mauerwerk, später dann die Diener ihrer eigenen, der herrschenden Klasse verhinderten - doch aber einen gewissen Kultstatus erworben haben, und sie ließen sich nach der Wende auch nicht von einer großzügigen Ausdehnung ihrer Aktivitäten abhalten.
Mit ihren diversen Instrumenten, einige sehr gewöhnungsbedürftig für so manchen Puristen, vielen Programmen mit neuen und alten Folksongs, vor allem letztere trotz geänderter politischer Vorzeichen immer wieder ins Schwarze treffend, ihren, während der 12 DDR-Jahre erschienenen 2 LPs in den folgenden 11 gesamtdeutschen Jahren ihrer Existenz 4 weitere Scheiben in CD-Form hinzufügend, waren sie bis ins nächste Jahrtausend,alsoganze23 Jahre, eine verlässliche Hausnummer in der deutschen Folkszene.
Es gibt sie immer noch – nach nunmehr 30 Jahren starten sie dieser Tage ihre wohl letzte Tournee. Auf ihrer Homepage kann sich jeder informieren (siehe Linkliste)
Die andere Folkband war also Bettelsack aus Halle. Deren Spuren verlieren sich scheinbar bald. Keine LP steht in meinem Plattenschrank und die Recherche im Internet erbrachte auch nur dürftige Ergebnisse. Zwei Mitglieder der Band müssen wohl kurze Zeit später für politische Aktivitäten im Stasi-Knast „Roter Ochse“ gelandet sein. Wer sich darüber informieren will sollte das äußerst interessante Dokument zur Zeitgeschichte aus der Linkliste lesen.
Roland Köhlers Spur verliert sich schon vor dem Ende der DDR. Wenn ich mich recht erinnere war auch er, wie so viele, auch unserer Freunde, in den Westen gegangen.